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Leitartikel
Schritt für Schritt vorwärts

Schritt für Schritt vorwärts

Leitartikel treffpunkt-kirche Ausgabe 9, September 2017


„Lernt Gutes zu tun, sorgt für Gerechtigkeit, haltet die Gewalttätigen in Schranken, helft den Waisen und Witwen zu ihrem Recht!“


Dies forderte bereits der Prophet Jesaja und fordert uns damit heraus (Jes. 1,17).


Das ist das, was wir heute Diakonie nennen: Soziales Handeln nach den Grund-
sätzen des christlichen Glaubens – auch bekannt unter dem Begriff „Nächstenlie-
be“. Was Nächstenliebe ist, hat Jesus u.a. in der Geschichte des „barmherzigen Samariters“ aufgezeigt. Noch deutlicher und umfassender beschreibt Jesus Dia-
konie durch sein eigenes Leben: Er hat sich den Schwachen angenommen, sich
für die Unterdrückten stark gemacht, die Verstossenen in die Gemeinschaft auf-
genommen und die Kranken geheilt. Und auch er fordert wie Jesaja auf, dass wir selber diakonisch handeln.


Und deshalb ist Diakonie ein grundlegendes Wesensmerkmal der Kirche. Ohne Diakonie hört die Kirche auf, Kirche zu sein. Der Dienst am Nächsten gehört (neben der Verkündigung, der Gemeinschaft der Gläubigen und dem gottesdienstlichen Feiern) zu einem der Grundpfeiler der Kirche.


Unser neustes diakonisches Angebot („Wegbegleitung“) ist an unterschiedlichste Zielgruppen gerichtet und umfasst auch ganz verschiedene Themenbereiche: Z.B. unterstützen wir junge Menschen bei der Arbeitssuche, helfen älteren Menschen bei administrativen Angelegenheiten, begleiten Sozialhilfeempfänger bei Behörden-
gängen, unterstützen anerkannte Flüchtlinge bei der Wohnungssuche oder ermög-
lichen Alleinerziehenden ein paar Stunden Entlastung. Eine Vereinbarung regelt Aufgabe und Zeitdauer einer Begleitung durch freiwillig Mitarbeitende.


Um einen etwas konkreteren Einblick in diese vielfältige Arbeit zu geben, stelle ich eine Situation dar, wie eine typische Wegbegleitung von A–Z ablaufen könnte:


Frau G., eine ältere, alleinstehende Frau aus unserem Kirchgemeindegebiet wendet sich an eine Pfarrperson und bittet um eine seelsorgerliche Begleitung. Die Pfarr-
person erkennt, dass neben den seelischen Nöten dieser Frau auch Probleme ganz praktischer Art vorliegen: Die Frau ist seit dem Tod ihres Mannes vor einem Jahr total überfordert mit den administrativen Angelegenheiten, um die sie sich bis anhin nicht gekümmert hat. In ihrem Postfächli türmen sich Krankenkassen- und Hausrat-
korrespondenz, dazwischen „verstecken sich“ unbezahlte Rechnungen. Die Pfarrperson erkennt sofort, dass dies ein Fall für eine Wegbegleitung sein könnte und kontaktiert mich von der Vermittlungsstelle. Ich überlege mir, wer aus dem Team der 15 WegbegleiterInnen am geeignetsten für diesen Einsatz sein könnte. So frage ich Herrn M. an, einen rüstigen „Jung-Senior“, der für administrative Ange-
legenheiten ein Flair hat, von seiner Art her ruhig und geduldig und somit auch in der Lage ist, der hilfesuchenden Frau komplizierte Dinge einfach zu erklären. Herr M. trifft sich in der Folge alle 14 Tage mit Frau G. und unterstützt sie, wo nötig.


Und wie sieht es heute, ein halbes Jahr später aus? Herr M. hat zusammen mit Frau G. ein einfaches Ablagesystem entwickelt, wobei sie in ihrer Administration nun selbständig Ordnung halten und ihre Rechnungen wieder termingerecht bezahlen kann. Wir vereinbaren, dass sie nur noch bei komplizierten Korrespondenzen die Hilfe ihres Wegbegleiters in Anspruch nehmen wird und setzen uns zum Ziel, dass diese Wegbegleitung Ende Jahr zu einem erfolgreichen Abschluss kommt.


Vielleicht stehen Sie an einem ähnlichen Punkt wie Frau G. und kommen bei einer bestimmten Angelegenheit in Ihrem Leben einfach nicht alleine weiter, bräuchten Hilfe, haben aber in Ihrem Umfeld niemanden, der Ihnen weiterhelfen kann. Vielleicht wäre da eine Wegbegleitung der Schritt in die richtige Richtung!


Oder Sie möchten sich für das Gemeinwohl einbringen, einen sinnvollen, interes-
santen, aber auch anspruchsvollen Freiwilligendienst leisten, dann wenden Sie sich doch auch an die Vermittlungsstelle unserer Wegbegleitung:


manuel.keller@treffpunkt-kirche.ch, 056 631 51 36
                                                                                   Manuel Keller, Sozialdiakon