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Leitartikel
Alle Wege führen......

Alle Wege führen…

Leitartikel treffpunkt-kirche Ausgabe 7 / 8, Juli / August 2017


a) in den Himmel, b) nach Rom, c) zum Ziel, d ) zum Anfang.

Stellen Sie sich vor, das wäre sie: die Millionenfrage.

Ist es vielleicht a)? 500 Jahre ist es her, dass ein Mönch den Weg in den Himmel nur von der Gnade Gottes abhängig machte. Hinter dem Konzept „sola gratia“ verbirgt sich, dass der Mensch nur durch Gott und dessen Gnade gerechtfertigt wird. Und was ist mit all dem, was auf dem Weg schiefgegangen ist? Was ist mit all den Irrgängen, was mit den religiösen Eiferern, den Fanatikern, den gewaltbereiten Extremisten – wollen die nicht auch in den Himmel?

Dann muss es doch b) sein! Ist es nicht gut, eine Instanz zu haben, die die Richtung vor-
gibt, die auch das Ziel definiert? Rom. Ziel von Petrus und Paulus, Ziel der Jugendlichen über Auffahrt, die dieses Frühjahr auf dem Mutschellen konfirmiert wurden. Sitz der Nachfolger Petri, des Oberhaupts der Katholiken und deren letzte irdische Instanz. Ja aber gerade für die Reformatoren hatte auch diese Instanz so manchen Weg eingeschlagen, der unmöglich in den Himmel führen konnte.

Dann müsste es doch c) sein? Bevor ich jemand anderen frage, wo und wie ich einen Weg einschlage, mich nach einer irdischen Instanz richte, die mir das Ziel vorgibt, lege ich doch selbst das Ziel fest. Der selbstbestimmte Mensch hat Ziele im Leben, die jeder und jede zu erreichen sucht: Ein gutes Leben, das Beste aus diesem Leben zu machen, eine Familie zu gründen, die Liebe zu finden, glücklich zu werden oder einfach nur reich zu werden, zum Beispiel an Erfolg, Geld und Einfluss? Alles irdische Ziele. Gerade im Jubiläumsjahr der Reformation führen viele Wege zurück zu den Anfängen der Reformation. Die Wege un-
serer Konfirmierten führte nicht nur 500 Jahre zurück, sondern beinahe 2000 Jahre. Zurück zu den ersten Christen, in den Untergrund von Rom, in die Katakomben – zurück zu den ersten verfolgten Christen. Zu den Aposteln.


Daher liegt mir d) am nächsten. Auch ohne Millionengewinn. Wo auch immer Ihre Wege hinführen in diesem Sommer, ob Sie hier bleiben oder ob Sie in die Ferien aufbrechen. Nehmen Sie doch wieder einmal einen Weg in Ihre Planungen auf: Den zum Anfang von etwas. Fahren Sie doch wiedermal dorthin wo für Sie etwas begonnen hat. Besuchen Sie doch Ihren Geburtsort, den Ort, wo Sie sich das erste Mal verliebt haben, Orte, die für Sie ein Anfang waren und sind. Denn sicher ist jeder dieser Anfänge viel mehr wert als eine Million. Einen schönen Anfang – auch der Sommer- und Ferienzeit – wünsche ich Ihnen im Namen unserer Kirchgemeinde.

                                                                                       Ihr Sebastian Rückel, Pfarrer