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Leitartikel
Was ist denn reformiert?

Was ist denn reformiert?

Leitartikel treffpunkt-kirche Ausgabe 10, Oktober 2017

Man hat mich einmal gefragt, wie man denn diese Reformatoren auseinanderhalten soll, die tragen alle schwarze Roben und diese schwarze Mütze. Wer ist da wer?

„Ganz einfach“, war meine Antwort. Calvin ist der mit dem spitzen Bart, Luther ist der Kräftige, Breite, und Zwingli sieht man immer im Profil. Dieses Zwingli-Profil gibt es mittlerweile auch als Guetsli. Die Guetsli-Formen für den Zwingli zum Selber-
backen wurden von spitzen Zungen rasch als „Reförmli“ bezeichnet. Ist aber medienwirksam.

Und ähnlich medienwirksam wollen viele fleissige Helfer am 31. Oktober an vielen Orten in den Pendlerströmen ein kleines Geschenk verteilen. Um auf die reformierte Kirche aufmerksam zu machen. Aber was ist denn reformiert? Wie ich aus x-Dut-
zend Begegnungen weiss, sieht der Volksmund einen bedeutenden Unterschied ganz deutlich: „Du bist reformierter Pfarrer. Ah, gut, dann darfst du heiraten.“

Stimmt. Das Zölibat leben wir nicht. Ich erfreue mich an meiner Familie. Aber das macht mich nicht zu einem besseren Christen. Ich will hier nicht die Unterschiede betonen und den Katholiken unter die Nase reiben, was sie selber selten einfach finden. Seien es Wandlung, Priesterweihe, Zölibat oder die Beziehung zu den Bischöfen.

Weil – verstehen Sie mich bitte recht – weil das nicht das Wichtigste ist. Wandlung, Weihe, Zölibat und Bischof unterscheiden Reformierte und Katholiken. Aber es ist nicht das, was uns als Christen ausmacht. Zu Christen macht uns der Glaube an Jesus Christus. Christus als Mitte. An einer Weiterbildung habe ich gelernt, dass die Anglikaner gerne auf Bilder zeigen, wo sich Maria und Johannes der Mitte zuneigen: Jesus Christus.

Wir können uns Christus von verschiedenen Seiten zuneigen!

Vielleicht werden wir eines Tages alle Anglikaner. Die wachsen nämlich ganz leise wieder und gewinnen neue Mitglieder. Und tolerieren verschiedenste Gottesdiens-
te nebst weiblichen Bischöfen.

Denn auch hier stellt der Volksmund richtig fest: „Der Herrgott ist der Gleiche.“ Oder auch sehr schön: „Der Heiland ist der Gleiche.“

Wir haben sowieso nur eine Zukunft, wenn wir uns auf dieses Zentrum besinnen.

                                                                                               Pfr. Christian Scharpf